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Prozyklische Geldpolitik à la USA
Nach den US-Zinssenkungen ist bei den Investoren
der Eindruck entstanden, die US-Notenbank (Fed) wolle
den Bullen-Markt retten. Zu Recht?
Erwin Heri: Ich bin anderer Meinung. 2005 und 2006
erhöhte die Fed die kurzfristigen US-Zinsen so
stark, dass es im Sommer 2006 zu einer Inversion der
Zinsstrukturkurve kam. Dieses Instrument verwendet die
Fed seit Jahrzehnten, wenn es darum geht, einen zu starken
Konjunkturzyklus mit möglicherweise inflationären
Wirkungen zu bremsen. Üblicherweise läuft
dieser Mechanismus über eine Zinsverknappung ?
einen «Credit Crunch» ?, der zu einer Schwächung
der Konjunktur, oft gar zu einer Rezession führt.
Dieses Muster lässt sich über die letzten
40 Jahre problemlos nachweisen.
Was geschieht jetzt?
Heri: Wann immer die entsprechenden Prozesse zu wirken
beginnen, dreht die Fed den Spiess um und reduziert
die kurzfristigen Zinsen, um der Zinskurve wieder eine
normale Struktur und damit dem nächsten Aufschwung
Luft zu geben. Das ist nichts anderes als konsequente
prozyklische Geldpolitik à la USA.
Aber kann diese Politik die Rezession verhindern?
Heri: Die Normalisierung der Zinskurve ist in der Regel
die Basis des nächsten Aufschwungs, da sie es dem
Bankensystem wieder erlaubt, Geld zu verdienen, und
die Kreditverknappung damit ein Ende findet. Ob wir
vorher noch in eine veritable Rezession abgleiten, ist
eher semantisch. Tatsache ist, dass die Konjunktur einen
ziemlichen Grippeanfall hat.
Jedenfalls haben die Börsen jetzt eine US-Rezession
vorweggenommen.
Heri: Anders als einzelne Finanzhäuser haben die
Aktienbörsen die Inversion der Zinsstrukturkurve
seit langem beobachtet und letztlich auch darauf reagiert.
Das Ganze wurde durch das Platzen der Blase an den US-Kreditmärkten
noch akzentuiert, ändert aber nichts am grundsätzlichen
Muster.
Sehen Sie noch Chancen am Aktienmarkt?
Heri: Wer die langfristigen Risikoprämien an den
Aktienmärkten abschöpfen will, findet gute
Gelegenheiten. Vielleicht sind noch nicht alle negativen
Konjunkturüberraschungen eingepreist. Die Bewertungen
vieler Firmen sind aber tief. Der Markt wird den nächsten
Aufschwung früh antizipieren.
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