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Stocks,
09.03.2007 |
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Und sie dreht sich doch
Alan Greenspan hat sich wieder einmal zu Worte gemeldet;
und immer, wenn sich Alan Greenspan zu Worte meldet,
lohnt es sich hinzuhören. Er hat über die
amerikanische Konjunktur gesprochen. Eine Konjunktur,
die sich seit Jahren in einem Aufschwung befindet und
an der kaum jemand etwas auszusetzen wagt. Ausser Alan
Greenspan, der plötzlich vor einer Rezession warnt.
Wir brauchen hier nicht auf die Ingredienzien einzugehen,
die Greenspan in seinem Süpplein kocht. Ein Blick
in die Konjunkturgeschichte der letzten 40 Jahre genügt
um zu erkennen, dass sich die US Konjunktur auf einem
kritischen Pfad befindet.
Konjunkturzyklen laufen immer nach ähnlichem Muster
ab. Ein Aufschwung entwickelt nach einer gewissen Zeit
üblicherweise inflationäre Tendenzen. Solche
rufen die Zentralbanken auf den Plan, deren Ziel letztlich
darin besteht, die Kaufkraft des Geldes zu sichern,
sprich: die Inflation im Zaume zu halten. Neben einer
stabilen Geldangebotspolitik tun Zentralbanken dies
vor allem über die Zinspolitik. Dass dabei die
unterschiedlichsten Modelle und Nomenklaturen von monetaristischen
Ansätzen über Taylor Rules bis zu "Inflation
Targeting" bemüht werden, spielt dabei eine
untergeordnete Rolle. Dabei sind nicht alle Zentralbanken
gleich radikal. Die Politik des US Federal Reserve ist
(bzw. war unter Alan Greenspan) hierbei immer sehr explizit.
Wenn immer inflationäre Tendenzen entstanden, führte
die Zinspolitik auf der anderen Seite des Atlantiks
zu einer so genannten Inversion der Zinsstrukturkurve.
Auf gut Deutsch: die von der Zentralbank beeinflussten
Kurzfristzinsen wurden über den Langfristzinsen
angesetzt. Eine solche Zinskonstellation ist für
die Wirtschaft etwa das gleiche, wie wenn man dem Feuer
den Sauerstoff entzieht. Und die Wirkung ist auch die
gleiche: Das Feuer geht aus. Und wenn "das Wirtschaftsfeuer
ausgeht", dann ist in der Regel auch die Inflationsdynamik
weg und die Zentralbank hat ihr Ziel erreicht. Das Problem
ist, dass sie dieses Ziel meistens über den Umweg
einer Konjunkturabschwächung - oft einer Rezession
- erreicht. Dort angelangt, "gibt die Zentralbank
dann wieder Gas", reduziert in oft gewaltigen Schritten
den kurzfristigen Zins und dreht damit den Sauerstoff-Hahn
wieder auf. Dieses Verhalten der Zentralbanken produziert
im eigentlichen Sinne die Konjunkturzyklen, wie wir
sie in den letzten 40 Jahren erlebt haben. Natürlich
werden diese Muster immer wieder überlagert durch
die unterschiedlichsten exogenen Faktoren oder Schocks,
die sie in ihrer Stärke und in ihrem zeitlichen
Ablauf beeinflussen; aber die Muster als solche sind
unverkennbar.
Und was hat das alles mit Alan Greenspan und der jetzigen
Konjunktur zu tun?
Die USA haben seit längerer Zeit eine inverse Zinsstruktur.
Wir haben in den USA in den letzten 40 Jahren keinen
Konjunktureinbruch gesehen, dem nicht eine Inversion
der Zinsstrukturkurve vorausgegangen wäre. Oder
noch etwas expliziter: Jeder Inversion der Zinsstrukturkurve
ist in den letzten 40 Jahren über kurz oder lang
ein Wirtschaftsabschwung - in der Regel eine Rezession
- gefolgt. Wiederholt sich die Geschichte auch diesmal?
Vielleicht nicht. Aber die obigen Überlegungen
zeigen, dass Greenspans Statement nicht ganz so exotisch
ist, wie es teilweise hingestellt wurde. Vielleicht
ist es ja auch kein Zufall, dass gerade jetzt die offizielle
Wachstumsrate des Bruttoinlandproduktes in den USA für
das letzte Quartal von 3,5% auf 2,2% reduziert werden
musste. Vielleicht hat die Konjunkturmaschine bereits
zu stottern begonnen und vielleicht wird der neue Fed
Chef Ben Bernanke schon bald etwas lauter über
Zinssenkungen nachdenken.
Und die Aktienbörsen? Wenn die Konjunktur ins
Stottern kommt, dann werden die gegenwärtigen Spitzengewinne
der Unternehmen - die ja aus dem Jahre 2006 stammen
- im laufenden Jahr nur schwer zu übertreffen sein.
Bei den gegenwärtigen Gewinnerwartungen dürften
deswegen im Laufe des Jahres eher Gewinnrevisionen nach
unten oder Gewinnenttäuschungen entstehen. Möglicherweise
werden wir uns dann wundern, wie schnell aus einer "fundamental
keineswegs überbewerteten Börse" - ein
im Augenblick allenthalben akzeptiertes Statement -
wegen einer zu starken Orientierung an irgendwelchen
P/Es plötzliche eine "hohe Bewertung"
entsteht.
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