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Stocks,
21.08.2006 |
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"Beta" - wie Phönix aus der Asche
Im Zusammenhang mit der Hedge Fund Euphorie der letzten
Jahre ist vielerorts das gute alte Beta, das viele von
uns ja fast seit der Wiege begleitet hat, ohne viel
Aufhebens zu Grabe getragen worden. "Alpha"
war das Gebot der Stunde. Was will man sich auf einfache
Marktrisiken konzentrieren, wenn es doch "da draussen"
die genialen Manager gibt, die einem eine Rendite erarbeiten,
auch wenn die Märkte nicht laufen. "Absolut"
war gefragt und wenn man dafür etwas mehr bezahlte,
dann ging das in Ordnung - man bekam ja dafür vermeintlich
auch Mehr.
Wieder einmal eine Win-Win Situation. Dem Anleger wurden
höhere Renditen bei tieferen Risiken versprochen,
und die Kommissionseinnahmen stiegen auch. Wer darauf
aufmerksam machte, dass auch in dieser Gleichung mit
einigen Unbekannten hantiert wurde und man vielleicht
ab und zu einen Blick auf das Kleingedruckte riskieren
sollte, galt als Ewiggestriger oder auch als Nestbeschmutzer.
Realistischere Einschätzungen
Inzwischen verziehen sich die dichtesten Rauchschwaden
langsam. Nachdem einige Hedge Fund Manager reich und
einige Anleger enttäuscht sind und man realisiert
hat, dass auch "absolut" manchmal nur relativ
gut ist, gibt es Platz für realistischere Einschätzungen.
Man scheint begriffen zu haben, dass Ineffizienzen
auf liquiden und hochorganisierten Märkten dann
verschwinden, wenn ihnen zu viele Leute nachrennen.
Man hat begriffen, dass vermeintliche Ineffizienzen
auf illiquiden Märkten wohl eher mit Liquiditätsprämien
zu tun haben, und dass einfach generell die Welt der
Asset Manager nicht nur aus zwei Gruppen besteht: den
Dummen und den Gescheiten.
Diese Entwicklung ist gut. Sie eröffnet endlich
die Möglichkeit, uns auf diejenigen Elemente der
Hedge Fund Diskussion zu konzentrieren, die die Asset
Management Industrie längerfristig wirklich weiterbringt.
Das ist nicht das Alpha. Es ist nicht die vermeintliche
Genialität irgendwelcher Manager in ihren dunkeln
Kammern, die die Transparenz scheuen wie der Teufel
das Weihwasser. Es ist die Einsicht, dass uns die Hedge
Fund Industrie Anlagerisiken eröffnet, in welche
das traditionelle Asset Management nämlich nicht
oder nur beschränkt investieren konnte. Anlagemöglichkeiten
der traditionellen Manager decken neben Aktien- und
Zinsstruktur-Risikoprämien nur beschränkt
weitere systematische Risiken ab. An einzelnen Orten
finden sich vielleicht noch Kreditrisiken und Small
Cap Prämien. Damit hat es sich aber in der Regel.
Die Renditequellen anderer Risikoprämien werden
im traditionellen Set-Up nicht angezapft. Diese wären
beispielsweise Konvergenz-Risiken, Event-Risiken, Liquiditätsrisiken
oder auch Risiken im Bereich generell alternativer Anlagen
wie Commodities, Holz, Strom oder ähnliches. Der
entscheidende Punkt ist, dass diese Risiken voraussichtlich
systematisch sind, dass heisst eine systematische Risikoprämie
abwerfen. Oder auf gut Deutsch: alternative Betas darstellen.
Alternative Betas
Ein Streit um des Kaisers Bart? Keineswegs. Um in alternative
Betas zu investieren brauchen wir nämlich keine
"Stars". Wir brauchen auch keine Intransparenz
und keine Black-Box. Wir müssen nur begreifen,
dass wir es hier auch mit Risiken zu tun haben. Die
Risiken sind in vielen Fällen anders strukturiert
als die traditionellen Risiken. Sie sind teilweise etwas
ungewöhnlich, aber im Zweifelsfall nicht mit den
traditionellen Risiken korreliert. Und sie bezahlen
eine systematische Risikoprämie. Deswegen eröffnen
sie als Beimischung zu den traditionellen Anlagen interessante
Opportunitäten.
Moderne Protagonisten der Hedge Fund Industrie befinden
sich bereits auf dieser "alternativen Beta-Schiene".
Sie werden damit glaubwürdiger als mit den Geschichten
über die Star-Manager und die Geheimnistuerei mit
undurchsichtigen Strukturen. Ob sich dadurch die Fee-Kaskaden
aufrechterhalten lassen, die wir gelegentlich antreffen,
ist eine andere Frage. Es ist nicht sicher, ob die Prämien
der alternativen Risiken hoch genug sind, damit nach
den Kosten für den Investor noch etwas übrig
bleibt. Das Problem wird aber der Markt lösen.
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