Handelszeitung, 31.08.2005

Die Geldfrage

«Habe fast alles in Aktien investiert»

Erwin Heri ist Verwaltungsratspräsident der OZ Gruppe in Pfäffikon SZ, Verwaltungsrat von Ciba Spezialitätenchemie und Präsident der Anlagekommission der Bundespensionskasse. Der Autor der Bücher «Moden und Mythen an den Anlagemärkten» und «Die Acht Gebote der Geldanlage» rät zu einer breiten Diversifikation.

Wie nachhaltig schätzen Sie die jüngst erfolgte Korrektur an den Börsen ein?

Nach der stürmischen Entwicklung seit Anfang Mai war eine gewisse Konsolidierung zu erwarten. Institutionelle Anleger haben die guten Sommermonate genutzt, um ihre Allokation wieder ins Lot zu bringen. Von einem «Sell-Off» kann aber im Moment keine Rede sein, denn die Bewertungen sind nach wie vor nicht übertrieben.

Und jetzt kommt ja noch der September, historisch gesehen offenbar ein schlechter Börsenmonat.

Leider bringt man das Märchen nicht aus der Welt, es gäbe systematische Saisonmuster an den Aktienbörsen. Wer sich die Sache statistisch ansieht, merkt, dass solche Monatsmuster ein reiner Mythos sind. Ich habe in meinem letzten Buch versucht, diese Mythen aufzuarbeiten. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Aber nicht einmal die, die im Mai empfohlen haben, Aktien zu verkaufen («Sell in May and go away»), wollen davon ablassen.

Wie würden sich die langfristigen Bond-Renditen bei einer längeren Börsenkonsolidierung entwickeln?

Längerfristig erwarte ich - wie die meisten anderen Ökonomen auch - leicht steigende Zinsen. Die Konjunktur läuft einigermassen zufrieden stellend, und eine gewisse Inflationsbeschleunigung «ist im System». Eine länger andauernde Börsenkonsolidierung könnte dies aber noch weiter in die Zukunft verschieben, weil dann wieder vermehrt Gelder in den Obligationenbereich fliessen würden.

Sollen Anleger auf Wachstumstitel oder eher auf defensive Werte mit hohen Ausschüttungsquoten setzen?

Grundsätzlich ist nach wie vor eine breite Diversifikation die Anlageregel Nummer eins. Wer interessante Übergewichtungen sucht, sollte sich die Substanzperlen im Small- und Mid- Cap-Bereich ansehen.

Wie ist das Privatvermögen von Erwin Heri angelegt?

Alles ausserhalb meiner 2. Säule ist und war langfristig in Aktien investiert. Ein Teil indexiert, ein anderer Teil in den Firmen, bei denen ich Mitverantwortung trage. Die Strategie war immer «Buy-and-Hold» - zum Glück.

Interview: Daniel Hügli