NZZ, 27.08.2005

Beruhigendes zum «Lärm» der Märkte

mkr. In den vergangenen zehn Jahren erlebten die Anleger an den Finanzmärkten weltweit eine Berg-und-Tal-Fahrt. Zunächst stiegen die Aktienmärkte auf zuvor unbekannte Höhen, um im Jahr 2000 scharf nach unten zu korrigieren. In der Folge erlitten zahlreiche Investoren, darunter auch institutionelle Marktteilnehmer wie Versicherungen, herbe Verluste. Die Einbussen wären - zumindest teilweise - vermeidbar gewesen, hätten sich die Investoren an gewisse einfache Anlageregeln gehalten, ist das Fazit von Erwin W. Heri in seinem neusten Buch, «Moden und Mythen an den Anlagemärkten». Um erfolgreicher Aktionär zu sein, empfiehlt Heri - einen mehrjährigen Anlagehorizont sowie eine gewisse Risikofähigkeit vorausgesetzt -, Aktien längerfristig zu halten (buy and hold) und zu diversifizieren. Dabei soll der Anleger den täglichen, oft informationsarmen «Lärm», wie er gelegentlich von Händlern und Medien erzeugt wird, ebenso ignorieren wie die fortwährend wechselnden Anlagestile. Ausgehend von der Hypothese effizienter Finanzmärkte, wonach alle verfügbaren Informationen in den Kursen verarbeitet sind, rät Heri zur einer weitgehend passiven Anlagestrategie, wie es an einem Börsenindex ausgerichtete Fonds ermöglichen. Für diese Strategie sprechen zudem die im Vergleich zu aktiven Fondsprodukten geringen Kosten und Gebühren. In seinem Buch vermittelt Heri einen verständlich geschriebenen Einstieg in die Welt der Finanzmärkte. Anhand einfacher Statistiken gelingt es ihm, gewisse Moden und Mythen, etwa den vielzitierten Januar-Effekt, zu widerlegen. Obschon gewisse Beobachtungen und Empfehlungen bereits seit längerem bekannt sind und deshalb auch als «Lärm» bezeichnet werden könnten, ist das Buch - angesichts weiterhin nervös und kurzfristig handelnder Anleger - ein wohl notwendiger Beitrag zur Beruhigung der Finanzmärkte.

Erwin W.Heri: Moden und Mythen an den Anlagemärkten.Warum
Anleger und ihre Berater an der Börse immer wieder scheitern.Verlag
Helbling & Lichtenhahn, 2005. 158 S., 49 Fr.