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Elendig leiden
Interview / Über die Vorzüge der Portfoliotheorie
und die Fehler vieler Anleger spricht Erwin Heri, Professor
für Finanzwirtschaft an der Universität Basel
FTD Rohstoffe und Gold liefen 2004 besonders gut. Muss
die Portfoliotheorie jetzt neu geschrieben werden?
Heri: Nein. Gold und Rohstoffe sind Anlagekategorien
wie alle anderen auch und passen durchaus in die Analyse
der modernen Portfoliotheorie. Auf der anderen Seite
sind die beiden Anlagen typische Moden, die immer dann
von Analysten empfohlen werden, wenn sie bereits gut
gelaufen sind. Für den langfristigen Anleger bedeutet
das eher, dass er nun aussteigen sollte. Traditionelle
Anlagen in Aktienindizes und Anleihen genügen durchaus
für eine vernünftige Strategie. Das klingt
natürlich langweilig, aber so sollte das Kernportfolio
aussehen.
FTD Investieren ist langweilig?
Heri: Das Kernportfolio sollte gekauft und gehalten
werden. Wer Spaß und Aufregung haben muss, kann
einen kleinen Teil des Vermögens auch in Rohstoffe,
Gold oder andere alternative Anlagen stecken. Aber dafür
muss man der Typ sein, die richtige Risikoneigung aufweisen
und vor allem verstehen, was man tut.
FTD Fonds sind Ihrer Meinung immer noch das beste Instrument,
um die Risiken zu streuen?
Heri: Ja, aber die wenigsten Leute machen das. Das
größte Problem bei Privatanlegern ist die
mangelnde Diversifikation. Zum Beispiel kaufen die meisten
Anleger nur Wertpapiere aus ihren Heimatländern.
Das ist gefährlich, weil die Risiken nur auf ein
Land konzentriert sind. Zum anderen, und das ist das
Schlimmste: 80 Prozent aller Aktieninvestoren haben
ihr Geld in gerade einmal zwei oder drei unterschiedliche
Aktien gesteckt. Das ist ein enormes so genanntes unsystematisches
Risiko, das man nicht eingehen sollte.
FTD Was soll der Anleger bei seiner Strategie berücksichtigen?
Heri: Der persönliche Zeithorizont ist entscheidend.
Beispiel: Braucht der Anleger in sieben Jahren Geld,
um das Kind auf eine Privatschule zu schicken, dann
sollte er eine sichere Staatsanleihe dieser Laufzeit
kaufen. Ist der Anleger jung und hat 30 Jahre Zeit bis
zur Rente, dann darf er das Geld ruhig in die längerfristig
besser rentierenden Aktien stecken.
FTD Aktien sind aber ziemlich unbeliebt, seitdem die
Kurse eingebrochen sind.
Heri: Die Risikoprämie für Aktien musste
schon immer elendiglich erlitten werden. Das wird auch
in der Zukunft so sein. Aber langfristig geht die Rechnung
auf, so war es die letzten 200 Jahre, und warum sollte
das künftig anders sein? Die langfristige Aktienrendite
liegt zwischen sechs und acht Prozent, und auch das
Portfolio wird ähnlich rentieren. Dafür muss
man aber kaufen und halten und sich vor den Handelsgebühren
in Acht nehmen. Gebühren sind vielleicht der am
meisten unterschätzte Aspekt der modernen Portfoliotheorie.
FTD Aktien sind nichts für schwache Nerven?
Heri: Sicher, aber wer nachts nicht mehr schlafen kann,
weil er Buchverluste verkraften muss, der soll auch
keine Aktien kaufen. Auch das hat mit Risikoneigung
und Risikofähigkeit zu tun.
FTD Die Portfoliotheorie fordert, man soll das Geld
in nicht korrelierende Assetklassen streuen, geht das?
Heri: Nur bedingt. Um ein Beispiel zu geben: Früher
wurde betont, internationale Diversifikation sei sinnvoll,
weil die Korrelationen tief waren. Doch sobald alle
Leute diesen Aspekt begriffen und in Anlageentscheidungen
umgesetzt hatten, stiegen die Korrelationen an. Das
ist ein typisches Phänomen an den Finanzmärkten,
wie wir derzeit bei Hedge-Fonds sehen.
Das Gespräch führte Markus Zydra.
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