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Extremwerte bringen die Rendite
Finanzmarktspezialist Erwin Heri am Frühjahresapero
der Von Graffenried Gruppe in Bern
Aktien rentieren im Durchschnitt mit 7 bis 9 Prozent
pro Jahr. Das zeigen langfristige Untersuchungen seit
1925. Zwischen den einzelnen Jahren gibt es jedoch grosse
Schwankungen. Dabei bestimmen die Extremwerte letztlich
den Erfolg oder Misserfolg einer Aktienanlage. Wer die
fünf besten Aktienjahre seit 1925 verpasste, erzielte
nur eine gleich hohe Rendite wie mit einem Obligationenportfolio:
4 bis 5 Prozent pro Jahr. Das erklärte Erwin Heri,
Professor für Finanztheorie an den Universitäten
Basel und Genf, gestern am Frühjahresapero der
Von Graffenried Gruppe in Bern.
Heri ist Vorsitzender des Anlagekomitees der Publica,
der Pensionskasse des Bundes, Präsident der Anlagestiftung
Winterthur, welche 150 Pensionskassen betreut, sowie
Präsident der OZ Bank in Zürich. Als damaliger
Finanzvorstand und Anlagechef der Credit Suisse Financial
Services hatte er die Unbill der Finanzmärkte nach
dem Jahr 2000 hautnah miterlebt. Gestern skizzierte
er Lehren aus dem Börsengeschehen.
«In einer anderen Welt»
Sowohl in Boomphasen als auch bei sinkenden Kursen
kursierten viele Fehleinschätzungen, sagte er.
Analysten, frisch ausgebildet von der Uni, argumentierten
immer nur in einer Richtung. Wer Ende der 90er-Jahre
gewarnt habe, der Aktienmarkt könnte auch wieder
mal nach unten drehen, dem sei mitleidig auf die Schulter
geklopft worden - mit dem Hinweis, «dass wir halt
jetzt in einer anderen Welt leben und man solle sich
doch bitte langsam daran gewöhnen».
Nach dem Einbruch der Kurse habe es genau so getönt
- aber mit umgekehrten Vorzeichen. Aus den Katastrophenszenarien
seien überall die gleichen Konsequenzen für
die Anlagestrategie der nächsten zehn Jahre abgeleitet
worden: Aktien seien zu risikoreich, stattdessen sei
in Produkte mit Kapitalgarantie zu investieren (was
immer das auch heisse). Langfristig halten sei falsch,
vielmehr müsse aktiver gehandelt werden.
«Aber die Märkte entschieden sich wieder
einmal anders», stellte Heri fest. Statt gesunken
seien die Kurse im vergangenen Jahr kräftig gestiegen.
Das erstaune nicht: «Ein Blick in die Geschichte
lehrt uns, dass besonders schlechte Perioden oft von
besonders guten Jahrgängen gefolgt werden».
Der Hauptgrund: Nach Börseneinbrüchen seien
die Aktien häufig unterbewertet, in Boomphasen
umgekehrt überbewertet. Die Übertreibungen
korrigierten sich nach ein, zwei Jahren.
Seitdem die Stimmung gedreht habe, funktioniere der
Herdentrieb erneut: Aktien seien wieder begehrt. Dagegen
würden Anlagefonds diskreditiert. «Sie produzieren
halt weniger Schlagzeilen als die Aktien einzelner Gesellschaften»,
erklärte Heri. Der Anlagefonds bilde immer nur
einen Durchschnitt ab, Rosinen gebe es da nicht zu pflücken.
Manch einer wäre aber froh gewesen, er hätte
beim letzten Absturz nur mit dem Index verloren und
nicht die Abstürze einiger Blue Chips erlebt, warnte
er.
Risiken senken mit Anlagefonds
Untersuchungen zeigten, dass sich das Engagement in
Einzeltitel längerfristig nicht lohne, sagte Heri
weiter. Das gelte momentan ganz besonders: «Wenn
wir nicht wissen, welches die grossen Gewinner eines
möglicherweise noch weiteren Aktienanstiegs sind
(und wer weiss das schon), dann ist es doch wohl am
besten, wenn wir zunächst beim Aufbau weiterer
Aktienpositionen möglichst wenig Risiken laufen.»
Das beste Mittel dazu sei eine breite Diversifikation
- «ergo ein Anlagefonds».
Wer seinen Spieltrieb ausleben möchte, könne
zusätzlich zu einem Grundstock aus Aktienfonds
mit einem kleinen Teil des Vermögens Einzeltitel
kaufen und versuchen, den Index zu schlagen. Wenn dies
gelinge, sei es positiv; andernfalls sei der Verlust
nicht allzu gross.
Vorteile der gemischten Fonds
Seine Überlegungen seien nicht nur für Aktienfonds
gültig, sondern auch für Obligationenfonds
und nicht zuletzt für gemischte Fonds. «Nach
wie vor ist es so, dass ein gemischter Fonds die wahrscheinlich
billigste, sicher aber die effizienteste und auch flexibelste
Anlageform für den grössten Teil unserer Anlagekundschaft
ist», stellte Heri fest. (-ll-)
Guido Albisetti.
DIENSTLEISTUNGEN · Guido Albisetti wird Geschäftsleitungsvorsitzender
der Von Graffenried Gruppe. Er wird diese Aufgabe in
der zweiten Jahreshälfte übernehmen. «Er
ist der Amtsälteste, 50-jährig und als Schwiegersohn
meines Bruders mit der Familie verbunden», sagte
Verwaltungsratspräsident Charles von Graffenried.
Er selber bleibe Präsident der Holding und werde
weiterhin Gesellschaften, Familien und Einzelpersonen
beraten. Charles von Graffenried hält 80 Prozent
der Aktien, Rudolf von Graffenried 20 Prozent.
Nach der im vergangenen Jahr erfolgten Reorganisation
besteht die Von Graffenried Gruppe aus der Holding und
vier Tochtergesellschaften. Die GR-Beratungen wird von
Guido Albisetti geleitet, die GR-Liegenschaften von
Martin Heiniger, die GR-Privatbank von Marcel Eggimann
und die GR-Treuhand von Beat Schmuckli. Die Gruppe beschäftigt
mit den Aussenstellen in Zürich, Biel und Brig
186 Mitarbeitende, davon 155 in Bern.
Albisetti, der neue Gruppenleiter, gehört auch
der Konzernleitung der Espace Media an. Dort führt
er den Bereich Immobilien/Beteiligungen. Die Von Graffenried
Gruppe habe juristische Mitarbeit am «gelungenen
Projekt ,Berner Modell' Berner Zeitung BZ und Bund»
geleistet, sagte Von Graffenried. «Eine solche
komfortable Lösung ist in diesem Umfang weder in
Basel noch in Luzern und St. Gallen möglich geworden»,
stellte er fest.
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