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Lausbuben auf der Lauer
«Viele Lausbuben sind hinter Ihrem Geld her»,
warnt Erwin W. Heri.Der Buchautor und Professor der
Finanztheorie meint, dass die bewährten Regeln
der Aktienanlagen weiterhin Bestand hätten.
Hans Peter Arnold
«Investieren Sie.»So lautet das erste der
acht Gebote der Geldanlage, welche Erwin Heri im Rahmen
einer Buchpublikation vor gut drei Jahren niedergeschrieben
hat.«Investieren Sie in Aktien», sollte
es eigentlich heissen.Denn diese versprechen über
eine lange Frist betrachtet die höchsten Renditen.Wie
viel genau?Heri rechnete den Besuchern des Frühlings-Apéros
der Von Graffenried Gruppe im Berner Bellevue Palace
vor: «Über die Spanne von 1926 bis 2003 rentierten
Aktien in der Schweiz im Schnitt 7,9 Prozent, Obligationen
4,6 Prozent und Immobilien 2,3 Prozent».
Falsche Empfehlungen
Wer vor einem Jahr in der Aktienbaisse den Bettel hinschmiss,
habe einen schlechten Deal gemacht.Seit Anfang 2003
hätten die Aktien je nach Index zwischen 50 bis
80 Prozent zugelegt.All jene Anleger seien damals auf
Anlageberater hereingefallen, welche für den Wechsel
auf eine äusserst konservative Strategie (kapitalgeschützte
Produkte, Lebensversicherungen) plädiert hätten.
Der Präsident der OZ Bank, Verwaltungsrat von
Ciba und Hilti, Uni-Professor in Basel und Genf sowie
Ex-Spitzenmanager der CS Group zu den Lehren:
* Traue den vielen Gurus nicht («Lausbuben wollen
Ihr Geld»).
* Langfristig bringt die «langweilig-disziplinierte
Anlage» in Aktien, Obligationen und Immobilien
das beste Resultat.
* Investieren Sie nur in Anlagen, welche Sie verstehen
(viele strukturierte Produkte dürften deshalb wegfallen).
Heri unterscheidet zwischen der «richtigen»
und «empfohlenen» Anlagestrategie.Bei rekordtiefen
Aktienkursen auf Absicherungsprodukte zu setzen, sei
nicht intelligent.Heri: «Weshalb soll ich mich
in einer Phase nach unten absichern, wenn die Kurse
bereits die Talsohle erreicht haben?»Richtig sei
es in dieser Situation, auf Aktien zu setzen. Zusätzlich
wären vor einem Jahr Call-Optionen eine ideale
Lösung gewesen.
In Zeiten des Börsenbooms hätten jedoch Absicherungen
(unter anderem Hedge Funds) durchaus eine Berechtigung.Im
letzten Jahr sei immer wieder die Hypothese zu hören
gewesen: «An den Aktienmärkten gibt es wohl
längere Zeit nichts mehr zu verdienen.Ein neues
Denken ist gefordert.»
«Falsch», meint Heri.Ebenso falsch seien
Analogien zur Wirtschaftskrise der 30-er Jahre («damals
hatte die Politik völlig falsch auf die Krise reagiert»),
zur 20-jährigen Baisse am japanischen Aktienmarkt
(«Japan ist mit den Strukturen in Europa und USA
nicht zu vergleichen») und das Argument der geopolitischen
Risiken («die Welt war im Kalten Krieg nicht sicherer»).
Euphorie und Angst
Der Blick zurück zeige, wie oft gute Börsenjahre
mit schlechten abwechselten und umgekehrt.So weit so
gut.Das Problem ist gemäss Heri, dass Leute im
Allgemeinen schlecht mit Verteilungen und insbesondere
mit deren Extremwerten (Euphorie und Angst) umgehen
können: «Es ist nämlich interessant,
dass immer dann, wenn wir solche Extremwerte hinter
uns haben, wir immer so tun, als hätte sich die
zugrunde liegende Verteilung grundsätzlich verändert.Im
Sinne von: Wir leben jetzt in einer völlig
neuen Welt. Entsprechend leiten wir daraus strategische
Schlussfolgerungen ab, die im Zweifelsfall völlig
falsch sind.»
Eklatant ist in diesem Zusammenhang: Besonders schlechten
Perioden sind oft besonders gute Jahrgänge gefolgt.Eigentlich
sollte dies gemäss Heri nicht überraschen:
«Denn Über- und Unterbewertungen tendieren
dazu, sich über die Zeit wieder auszugleichen.»
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